Kategorie: Reise

Unterwegs

  • Über Stock und Stein

    Ich hab Susi ja von meiner Paddeltour zur Schwefelmine erzählt, und dass man da auch vom Land her hin kann. Das wollen wir ausprobieren! Aber mit Moped auf griechischen Schotterpisten? Nicht umsonst ist die Gegend als „no service area“ für die Verleihfahrzeuge gekennzeichnet. Wenn Du dort ein Problem hast, schau, wie Du es gelöst bekommst! Wir helfen Dir nicht!

    Egal, wir probieren das. Immerhin ist die „old sulphur mine“ auf den Karten markiert und am Straßenrand angeschrieben. Und Google kennt den Weg natürlich auch. Einen Teil der Strecke kenne ich, von der Anfahrt zum Paddeln. Dann aber geht’s eine nagelneue EU-finanzierte zweispurige Straße entlang. Lange Zeit kommt uns nichts entgegen, überholt uns auch nichts. 13 km Straße nach nirgendwo, die keinen wirklich interessiert? Eigentlich nicht ganz: Es gibt ein paar LKW für die aktiven Minen und für die Müllhalde – aber sonst ??? Naja, hat ja wer anderer bezahlt

    Von der „schönsten aller Straßen“ geht der Sprung unmittelbar auf eine sehr griechische Staubstraße, der Weg zur Mine. Eigentlich hat die Straße ja keine wirkliche, kommerzielle Funktion mehr. Niemand macht ein Geschäft damit, sie zu benützen. Entsprechend ist ihr Zustand: An manchen Stellen wie frisch hergerichtet, an anderen Stellen felsig und ausgefahren. Und wir mit dem Roller mitten drin. Irgendwie erinnert mich die Fahrerei an meine Jugend, als wir mit unseren Straßenfahrrädern im Wald über Abhänge, Wurzeln und Steine geradelt sind. Wohl überlegt, langsam, mit viel G’spür.

    Bis ganz hinunter schaffen wir es nicht, das wird uns dann insgesamt zu steil und wild. In einer Ausbuchtung wird die „Maschin“ abgestellt und wir wandern zu Fuß weiter. Ich kenn die Schwefelmine und die Aufbereitungsanlage ja schon. Aber auch von der Landseite gibt es spannende Einblicke und Perspektiven.

    Der Strand ist nahezu schattenlos, aber wir finden einen Platz unter der kleinen Brücke. Auch ganz nett. Viel interessanter ist aber das nördliche Ende des Strandes. Dort ist das Wasser milchig trüb – obwohl bio – Steine und Sand schillern in rostroten Tönen. Warme Quellen bringen Eisen aus dem Untergrund mit. Sie sind aber zu schwach, um das Meer zu erwärmen. Wir stellen uns in den groben Sand und lassen uns ein wenig einsinken. Die Fersen werden plötzlich warm umspült, so als hätte man eine Fußbodenheizung. Warme Fersen, kalte Zehen – seltsames Gefühl.

    Nach einer guten Stunde treten wir den Rückweg an, langsam, Schritt für Schritt die staubige Straße hinauf. Es ist doch sehr heiß und steil. Das Moped enttäuscht uns nicht und schafft die ausgewaschenen, steinigen Passagen ohne Probleme.

    Und dann? Kontrastprogramm – beach life in Paleochori. Das ist der Ort, den ich vom Einsetzten für die erste Paddeltour kenne. Heute ist dort volles Programm. Drei verschiedene Anbieter vermieten Strandbetten. Voriges Jahr in Lemnos waren die Betten gratis, und man hat halt eine Konsumation erwartet. Hier läuft das anders. Die Betten gehören zu Hotels oder Tavernen. Die Preise – „wohlfeil“ Also für die Himmelbetten in der ersten Reihe am Wasser werden gerne 110 € genommen, weiter hinten fallen die Preise auf 80 €. Nicht pro Woche, pro Tag, oder auch für nur eine Stunde. Konsumation wird trotzdem erwartet. Die spinnen!!

    Da ist es schon billiger sich ein IKEA Bett mitzubringen und danach an andere Urlauber weiter zu verkaufen. Da täten sie schön schauen, die gierigen Griechen 🙂
    Weiter weg vom Parkplatz finden wir Strandbetten+ Schirm um 30 €. Irgendwie ist auch das noch verrückt – aber es ist Urlaub, was soll’s.

    Lustig ist, dass am Bett neben uns, das Anfangs leer war, ein Paar aus Wels Platz nimmt, dass wir beim Aufstieg auf die Kirche bei Plaka schon getroffen haben. Unsere damalige Erzählung von unseren Abenteuern mit Philia hat sie lange beschäftigt. Um so mehr haben wir jetzt zum Plaudern. Planbar wäre so ein Treffen nicht gewesen.

    Pünktlich um 6 stellen wir das Moped zurück zum Verleiher. Aus lauter Verzückung, lässt er uns 5 € nach 😉 Wir ziehen uns wieder zurück auf Philia und bereiten sie für den morgigen „Pit Stop“ im Hafen vor.

    Nach über 20 Tagen müssen wir wieder einmal anlegen, Wasser bunkern, die Batterien vollladen, Wäsche waschen. Philia täte eine Vollwäsche auch gut – bekommt sie auch. Unglaublich, wie schmutzig das Wasser ist, das wir vom Deck spülen. Der Wind hat Staub mitgebracht. Die Hafengebühr überschlägt sich wieder: 12,47 € incl. Strom, Wasser ist frei.

    Einziger Nachteil an diesem Hafen: angelegt wird mit Buganker und das führt meistens zu unglücklichen „Verkettungen“. Zusätzlich kommen in dem Hafen durch die Wellen der anlegenden Fähren die Schiffe ins Schwingen, und zwar so heftig, dass schon einmal die Masten aneinander schlagen – gar nicht schön. Die können sich nämlich auch verhaken und bei so einer Aktion abbrechen. Kostet dann schlappe 20.000€ und 5 Monate Lieferzeit. Selbst wenn die Kaskoversicheurng einen großen Teil davon übernimmt, ist das nicht wirklich prickelnd. Wenn man Glück hat, reißt es einem nur die ganze Ausrüstung von der Mastspitze. Funkantenne, Windmessgerät, Ankerlicht – auch kein Spaß! Also lieber gut Abstandhalten zu den Nachbarn.

    Natürlich ist man anderen Schiffen behilflich, wenn sie anlegen. Die Landleinen entgegennehmen und zumindest für den Augenblick festmachen, das hilft ganz ungemein! Bei so einer Aktion kommt eine alte Ketsch (Zweimaster) mit österreichischer Flagge in den Hafen. Wir kommen sofort ins Gespräch. Barbara und Stefan sind mit ihrer LAUSA, einer fast 50 Jahr alten Amel Europe, seit 10 Jahren in Griechenland unterwegs. Diesmal wieder ein ganzes Jahr, sonst immer nur im Sommer. Schnell steht fest, dass wir gemeinsam Abendessen gehen. Dabei bleibt es aber nicht. Aus dem Abschlusstratsch am Steg wird noch ein Absacker (Wasser aus dem Kühlschrank + Holundersaft) bei uns im Cockpit. Dauert etwas länger – bis fast 2 Uhr! Aber der Weg nach Hause ist ja nicht weit.

    Philia bekommt noch 40 Liter Diesel, dann wollen wir sie wieder in das Ankerfeld verlegen. Wenn das so leicht ginge. Einige Schiffe sind gerade dabei anzulegen und die Marineros erstmals aktiv bei der Arbeit. Heute wollen sie Yachten schlichten. Was keine wirklich gute Idee ist, wenn wir abfahren wollen und viel Platz haben – also sicher keinen Nachbarn, der seine Kette noch schnell über meine legt. Nein, die Marineroas wollen links und rechts von uns anlegen lassen. Einen können wir verhindern, den anderen nicht. Und der ist klug genug, um seine Kette sehr nahe an unserer zu werfen.

    Wir legen also ab, ziehen die Kette hoch. Dauert ein bisschen, es sind ja 50 m draußen und das ist gut so. Denn als unser Anker an die Oberfläche kommt, bringt er was mit – den Anker des Nachbarn! Echt jetzt?!?

    Naja, wir sind im Augenblick weit weg von anderen Schiffen, so mindesten 35 m, also haben wir Zeit für die Entwirraktion. Bootshaken und ein Tau von hinten holen. Das Tau am Bug befestigen und mit dem Bootshaken unter dem fremden Anker durchfädeln. Dann meinen Anker ablassen und dann meine Kette aus dem fremden Anker befreien. Das Tau dann ins Wasser lassen und damit den fremden Anker auf den Grund fallen lassen. Der „zum Glück nicht Nachbar“ schaut von seinem Bug aus gebannt zu. Ich kann ihm jetzt aber auch nicht helfen. Muss erhalt seine Kette dichtholen und dabei hoffen, dass sich sein Anker wieder eingräbt.

    Wir fahren jedenfalls los ins Ankerfeld. Zufällig genau an den Platz, von dem wir vorgestern abgefahren sind. Beim Abtauchen des Ankers finde ich neben dem Schiff in 6 m Tiefe eine Plastikklemme, die mir vor 3 Tagen über Bord gefallen ist. Auch gut.

    Den Rest des Tages verbringen wir mit Baden und faul sein.
    Immerhin fehlt uns ein Teil der letzten Nacht.

    … und außerdem haben wir morgen was vor.

  • Der Nordwesten

    Also Plaka bei Tag, das ist der Plan. Gemütlich gehen wir es an, wie immer eigentlich. Sind wir einmal an Land, sind wir in kaum 15 min in Plaka. Diesmal nicht am Parkplatz, sondern fast im Zentrum. Man gönnt sich ja sonst nichts.

    Um nicht ganz in die Tageshitze zu kommen, ziehen wir sofort los, um auf den höchsten Punkt, das alte Fort zu kommen. Ein Aufstieg entlang malerischer Gässchen und mit postkartenwürdigen Ausblicken. Türkis schillernde Buchten, strahlend weiße Häuser an die Hügel geklebt, ein Blick über das Meer auf die umliegenden Inseln und natürlich auf die Insel Milos selbst. Kitschig schön!

    Gut, dass wir eine Wasserflasche mitgenommen haben, so gelingt der Weg hinauf leichter und die Pause oben an der Kirche ist angenehmer. Toll ist es da oben. Wenn man genau schaut, kann man vor Adamas sogar unsere Philia vor Anker sehen.

    Der Abstieg ist natürlich leichter und wir verlieren uns in den verwinkelten Gassen des Dorfes. Das Lokal von gestern hat schon offen, ist aber nicht so knack voll besetzt. Da kommt man dann angenehmer durch und zu den netten Ecken im Ort. Eh fast wie immer: Souvenir und (echte) Kunst in kleinen Geschäftslokalen. Manches ist wirklich nett, manches echter Ramsch.

    Nach einer Runde reicht es uns und wir legen eine Pause in einer Taverne unter Bäumen ein. Was zu trinken und ein Joghurt mit Früchten und Honig. Volltreffer! Joghurt mit Honig ist uns ja bekannt, aber Stückchen von Wassermelone oder Apfel dazu – das hatten wir bisher noch nicht. Das wird sofort in unseren Speiseplan aufgenommen.

    Nach der Pause beschließen wir das alte Amphitheater zu erforschen. Das ist oberhalb von Klima zu finden, unweit des Fundortes der Venus oder eigentlich Aphrodite von Milos. Das Original steht als kolonialistische Raubkunst im Louvre in Paris. Die Dame war schon auf einen türkischen Frachter verladen und wurde dann durch einen französischen Offizier mit vorgehaltenen Waffen überzeugt, doch lieber mit nach Paris zu kommen. Dann macht man so ein Kunstwerk zum persönlichen Geschenk an den König und die Besitzverhältnisse sind ein für alle Mal geklärt.

    Am Weg zum Theater fallen uns eine Reihe von alten Windmühlen auf. Die müssen wir natürlich sehen. Wobei, es ist klar, dass keine einzige davon funktioniert. Das sind heute „originelle“ und luxuriöse Touristenunterkünfte. Schön sind sie trotzdem.

    Aber zurück zum Amphitheater. Das Ding stammt eigentlich aus der römischen Periode, also  rund 400 Jahre vor der Zeitwende. Wie so vieles wurde es im Laufe der Jahre zerstört, in dem Fall aber besser als zuvor wieder aufgebaut. Baustoff?

    Na, nehmen wir halt mal was richtig teures: Weißer Marmor ist gerade gut genug. Und dann machen wir es groß, richtig groß, so für 7 bis 8.000 Besucher in, sagen wir 50 Reihen. Die Hintergrundkulisse bildet die Insel und das Meer. Für das passende Licht sorgt der Sonnenuntergang. Hat doch was, oder?
    Die Frage die sich mir stellt: Wo kamen die 8.000 Leute her, die die Vorstellungen besuchten? OK, in Milos gab es schon immer viel Bergbau. Aber hat man die Bergbausklaven zum Theaterbesuch eingeladen?

    Spannend ist, dass das Amphitheater, oder das, was davon ausgegraben wurde, frei zugänglich ist. Da gibt es einen Teil des Zuseherraumes mit den Marmorsitzen. 800 Leute finden heute noch im Theater Platz. Die Spielbühne lässt sich erahnen und das Bühnengebäude (= die Kulisse), also die 2 von 7 Abschnitten die noch erhalten sind, sind ein beeindruckendes Beispiel für die damalige Steinmetzarbeit. Wie fein da gearbeitet wurde und wie gut das zum Teil noch erhalten ist – unglaublich!

    Als Besucher darf man sich völlig frei im Theater bewegen, griechisch halt. Diese Offenheit wird von den Besuchern wertgeschätzt – es gibt weder Verschmutzungen noch Schmierereien. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass der Ort des Theaters nicht leicht zu erreichen ist und den „Fritz liebt Anna“ Schmierern der Weg einfach zu beschwerlich ist. Ich glaub ja, dass kaum ein einheimischer Grieche das jemals besucht hat.

    Wir verweilen eine Zeit lang, blicken hinab auf das Meer und den Ort Klima. Der hat auch was Besonderes: Dort gibt es kleine Häuschen am Meer, die im Obergeschoß bewohnt sind und im unteren Geschoß, quasi auf Höhe des Wasserspiegels, breite Tore für das Winterlager der kleinen Fischerboote haben. Damit das alles nett aussieht, sind die Fenster und Türen bei jedem der Häuschen in einer anderen Farbe gestrichen. Man sieht’s halt vom Land aus nicht wirklich. Segler sind im Vorteil 😊

    Am Weg zurück in die Zivilisation entdecken wir in Trypiti eine urige Taverne. Da ist zwar um 6 echt noch nichts los, aber wir sind willkommen. Das vor allem auch, da wir sofort sagen, dass wir es nicht eilig haben und sehen, dass die Köchin gerade Pause macht. Also alles sehr gemächlich. Während wir so da sitzen und die Aussicht genießen, müssen wir mit dem Mopedverleiher noch abklären, dass wir das Moped weitere 24 h haben können – können wir!

    Gegen 8 geht es zurück nach Adamas. Auf halben Weg stoppen wir bei einer Bäckerei und holen noch frisches Brot für das nächste Frühstück.
    Moped beim Hafen abstellen, umsteigen auf’s Dinghi, zur Philia fahren –

    – fertig

  • Am Rand von Milos

    Milos ist eine große Insel und selbst der Hauptort, hier nicht Chora sondern Plaka genannt, liegt zu weit vom Hafen, als dass man zu Fuß hin könnte. Obwohl es recht gute Busse geben soll, mieten wir uns lieber ein Moped. Irgendein Honda Roller mit 125 ccm, also etwas Kraft hat er schon – und die werden wir auch noch brauchen.

    Faul wie wir den Tag durchleben, sind wir erst um ½ 6 Abends beim Verleiher. Es gibt mehr als ein Dutzend alleine in Adamas, wir nehmen den, der der Dinghianlegestelle am nächsten liegt. 25 € für 24 h. Kein Schnäppchen aber immerhin, wir sind mobil.

    Die erste Reise ist nur kurz, quasi um’s Eck, und führt uns an die Nordküste nach Sarakiniko. Achtung: in den Landkarten von Milos ist das als „Hot Spot“ beschrieben. Wir machen uns also auf was gefasst. Einerseits tolle Landschaft und andererseits 100.000 Touristen. Na, mal sehen!

    Jetzt muss man zur Geologie von Milos etwas wissen. Der alte Vulkan hat damit begonnen, viel feine, fast weiße Asche auszustoßen. Die hat sich angehäuft, mal feiner, mal weniger fein und verdichtet. Später ist das dann von Lavabrocken oder gar Lavaströmen zugedeckt worden. In Sarakiniko liegt diese helle, weiche Schicht frei und bildet die Küste. Leicht vorzustellen, was das Meer mit solchen weichen Felsen macht – dran herum schlecken.

    Wir fahren also los, alles gut beschildert, bis zu einem Parkplatz mit allerlei Gefährten. Vom Mercedes G über Quads bis zu Mopeds steht da alles herum. Kaum steigt man aus, steht man vor einer Schlucht. Die Gegenseite ist dieser weiße Felsen. Da tief eingeschnitten, dort zu seltsamen Formen rundgeschliffen. Wir wandern los und staunen.

    Kurz vor dem Wasser ein rostiges Eisengestell, auf dem wohl einmal ein Schild montiert war: „Runterfallen verboten“ oder so ähnlich. Naja, versteht sich von selbst. Wir stehen am Dach einer ausgewaschenen Höhle, gut 15 m über dem Wasser. Der Boden hat an einigen Stellen spalten, aus denen man die gluckernden und stöhnenden Geräusche der Wellen in der Höhle hören kann.

    Der Hügel darüber dient heute als Fotokulisse – für Hochzeitsfotos. Da reich es heute nicht mehr, dass da das Hochzeitspaar und der Fotograf zugegen sind, da muss dann auch noch ein Mann mit Videokamera dabei sein, um den Vorgang der Fotographie auf das Hochzeitsvideo zu bannen.

    Zur Draufgabe gibt es dann noch Fotos vom Brautpaar, auf einer Felsnase stehend und von einer Drohne aufgenommen. Wie war das früher doch einfach!

    Ganz deutlich ist zu erkenne, dass in das Gelände mit einem Bagger ein breiter Weg geschaufelt wurde. Damit sich von den Besuchern niemand weh tut. Sinnvoll? Naja! Wir umwandern einen tiefen Einschnitt, den einzigen echten Sandstrand und dann wieder die Klippen hinauf. Na, da ist was los!

    Hier trifft sich die Jugend von Milos zu Mutproben. Von einer eingestürzten Höhle steht noch eine Brücke, von der Höhle gibt es noch den Pool mit den Deckentrümmern. Die liegen aber so gut, dass man dort, und nur dort aus dem Wasser steigen kann. Auf der anderen Seite, also von der Felsbrücke oder den Dächern der umliegenden Höhlen, zwischen 3 und 9 m hoch wird heruntergesprungen. Zum Teil mit parallel springenden Müttern samt Kamera, aber immer unter Anfeuerung durch die Zuschauer. Auch ein Spaß für das Volk, und das ganz ohne Internet.
    Alle Altersgruppen sind da zu finden, Abenteuerlust, Selbstbestätigung und Testosteron sind da im Spiel.

    Uns interessieren die Felsen und die Formationen aber viel mehr. Unglaublich, was sich da alles geformt hat!

    Zurecht ein Hotspot.

    Zum Abschluss wollen wir noch was Essen gehen, nicht gerade in Adamas. Also ab Richtung Berge. Beim ersten Dorf biegen wir ein und hoffen auf gut Glück einen Dofplatz und dort eine Taverne zu finden. Was wir finden sind verwinkelte Gassen, die immer enger werden, mit Autos so verstellt sind, dass wie mit dem Moped nicht durchkommen, oder als Sackgasse enden. Rückzug! Einfach den Weg hier heraus finden wäre schon toll. Irgendwie gelingts und wir finden uns in Plaka wieder. Also eigentlich 200 m vor Plaka. Da steht ein „Einfahrt verboten“ und eine Dame dabei. Moped hier drüben abstellen. „free walking“ statt „free parking“ – ein netter Versprecher.

    Wir steigen in das Dorf hinauf und wissen sofort, dass wir das morgen bei Tageslicht wieder ansehen müssen. Für genauere Inspektion ist jetzt aber der Hunger zu groß. Ein recht touristisches Restaurant ist bald gefunden du am A4 Bestellzettel (wo gibt’s denn so was?!?) Mousaka und Souvlaki angekreuzt. Wenigstens die Qualität passt. Touristisch bedeutet hier, dass in der Kaffee Bar nebenan 2 Kugeln Eis um 7 € (!!) angeboten werden. Obacht mein Freund, Obacht!

    Wir schlendern noch durch die Gassen und finden ein Lokal mit griechischer Live Musik. Über den Zaun lauschen wir ein paar Minuten, schwingen uns dann lässig auf das Moped und rauschen durch die Nacht. Ehrlich? Selten mehr als einen 30er, wir wollen ja gesund bleiben. Gleich neben der Dinghanlegestelle finden wir einen Platz für das Moped und suchen dann in der Dunkelheit unsere Philia. Die ist natürlich noch nicht beleuchtet – wie denn auch – aber die Übung gelingt.

  • Eigener Kiel, eigene Kraft

    Schon vor fast 20 Jahren, als ich gerade mit dem Paddeln begonnen habe, habe ich die Seite www.SeakayakGreece.gr entdeckt. Rod, ein gebürtiger Australier, hat damals begonnen in Milos Seekajaktouren anzubieten (www.seakayakgreece.com). Wir haben damals ein paar Mal hin und her gemailt. Ich denke, jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, einmal bei Rod „anzuklopfen“, ob er nicht Platz auf einer seiner Touren für mich hat.

    Hat er! Schon morgen geht es los.

    Abholung um 9:45 bei der Tankstelle in Adamas. Dort hin finde ich. Wir sehen sie von unserem Liegeplatz, ein kleiner Sandstrand, um das Dinghi dort abzulegen, ist auch da. Ich bin also gestellt. Im Trockensack Sonnenschutz und Hut, Paddelhandschuhe,  Taucherbrille, Fotoapparat, viel Wasser. Rod kommt pünktlich und wir fahren weiter nach Paliochori, ganz im SE der Insel. Dort ist ein großer Sandstrand und Platz für unsere Vorbereitungen.

    Bald liegen 12 Boote am Strand und aus dem Anhänger werden noch Paddel, Schwimmwesten, Trockensäcke und Kühltaschen mit dem Picknick ausgeladen. Die Gruppe ist bunt zusammen gewürfelt. Ein Paar aus D und AT, die in Salzburg leben, ein Paar aus Hamburg, eines aus Dänemark, 3 junge Leute aus Neuseeland, Rod (AUS) und sein zweiter Guide Dario (IT) und ich. Ziel des Tages: Einfach die Ostküste ein Stück nach Norden, so ca. 6 km je Richtung. Gemütliches Paddeln und ganz viel schauen.

    Milos bietet ja einiges, rein geologisch. Da ist es dann schon ein Vorteil, wenn Rod gelernter Geologe ist und sich mit den verschiedensten Gesteinsschichten, deren Zusammensetzung und ihrem Alter auskennt. Die ältesten Steine die er uns zeigt, sind so an die 2 Mio. Jahre alt, andere, nicht vulkanische Inseln sind 1000mal älter! Die Ablagerungen der großen Eruptionen sind 900.000 Jahre oder jünger. Und die Gegend ist immer noch aktiv.

    Das Wasser hier, fern von Siedlungen, ist glasklar. Nur an manchen Stellen wird es plötzlich gelblich milchig. Keine Angst, pur Natur. Das sind die Stellen der Thermalquellen. Die sind in Milos fast alle im Meer und bringen viel Eisen mit. Entsprechend rostrot sind in dem Bereich die Felsen und der Sand. Gräbt man dort ein wenig im Sand, findet man bald warmes bis heißes Wasser. Warm, das fühlt sich an wie Fußbodenheizung im Meer, heiß ist zu heiß, um die Finger lange drinnen zu lassen.

    Unglaublich sind aber die Felsen. Die sind nadelspitz gezackt oder weich wie ein Polster, blütenrein weiß und weich wie lose Tafelkreide – das ist dann der Rohstoff für feinstes Porzellan, lachsrosa, grünlich, manche mit einem leichten Blaustich, braun bis hin zu grau. An manchen Stellen sieht man die Schichtung der vulkanischen Auswürfe gut, andere sind Anhäufungen von Lavaschutt oder erstarrte Lava
    Man kommt mit dem Schauen nicht nach.

    Diese gegliederte Küste mit ihren vielen Felsen im glasklaren Wasser verleitet natürlich, mit den Kanus zwischen den Felsen hindurch zu tanzen. Enge Passagen, Drehungen fast am Platz, einen Augenblick warten, bis die nächste Welle die Passage ermöglicht. Spielen im und mit dem Wasser.

    Entlang der Küste findet man immer wieder alte Stollen. Der mineralreiche Boden von Milos wurde seit jeher ausgebeutet. Ein Teil des Silbers der ägyptischen Pharaonen stammt zum Beispiel von hier. Der Wendepunkt unserer Reise ist ein Strand, der ein wenig nach Schwefel riecht. Kein Wunder, wieder eine warme Quelle und schwefelgelbe Ablagerungen an den sonst fast weißen Steinen.

    Ein Stück weiter, gibt es eine befahrbare Höhle. Eigentlich ziemlich groß! Immerhin passen da mehrere Kayaks gleichzeitig hinein und können drinnen sogar umdrehen!

    1935 bis 1985 wurde hier industriell Schwefel gewonnen. Als man die sehr schwefelreichen Ölvorkommen im Golf von Mexiko entdeckte, war es billiger den Schwefel als Nebenprodukt der Ölindustrie zu gewinnen. Von einem Tag auf den anderen wurde die Mine und der Verarbeitungsbetrieb geschlossen. Nach griechischer Art ist alles liegen und stehen geblieben, wie es am letzten Arbeitstag war. Von vielen Gebäuden stehen nur mehr die Mauern, die Dächer fehlen.

    Große Anlagen und Kessel sind noch zu sehen – natürlich nach 35 Jahren in der Meeresluft stark verrostet. Man findet aber noch Keilriemen in den Riemenscheiben, in der Werkstätte zerlegte Elektromotoren und Werkzeuge. In einem Raum stehen noch die Wandschänke, eine Türe ist geöffnet. Am Boden liegen geöffnete Kartons, so als hätte man sie erst gestern ausgeräumt.

    Wir bleiben eine gute Stunde, haben in Picknick im Schatten einer kleinen Brücke. Dann geht es zurück nach Paliochori. Nicht aber ohne Zwischenstopp, bei dem wir alle, im Wind und Wellenschatten eines Felsens, aus den Booten ins Wasser steigen und eine runde Schwimmen. Sicherlich 10 – 15 m tief ist es hier und man sieht jedes Detail am Grund. Fast unwirklich!

    Zurück am Strand von Paliochori werden die Boote auf den Anhänger verladen, noch ein wenig Getratscht und dann die kurze Rückfahrt angetreten.

    Ein Tag voller Eindrücke geht zu Ende.

    Ich komme mit leuchtenden Augen zurück zu Susi am Boot, erzähle in Begeisterung.
    Es sieht so aus, als wäre sie doch lieber mitgekommen!

    Ob es dazu noch eine Gelegenheit geben wird?

  • … und jetzt?


    Wir sind in Milos und wir sind geschafft. Also einmal ein ganz ganz fauler Tag, bei dem wir zwar ins Wasser steigen, aber den Fuß nicht an Land setzen. Immerhin bläst der Wind so wie versprochen, trotz Windschutz in der Bucht mit fast 20 kt. Das ist gut so, denn so kann unser Windgenerator die Batterien gut auffüllen.

    Erst am zweiten Tag starten wir das Dinghi und fahren an Land. Wir wollen uns den Ort Adamas ansehen und ein paar Kleinigkeiten für den Kühlschrank kaufen. Milch, Tomaten, etwas Brot – so Zeugs halt. Das Anlanden ist einfach, denn es gibt hier einen Sandstrand und da ist es ganz normal, dass da Dinghis abgelegt werden. Susi beginnt sofort die Preise für Leihautos oder Motorroller auszukundschaften. Die Distanzen hier in diesem Inselteil sind so kurz, dass ein Roller auch genug ist. Einen ganzen Tag würde ich nicht damit fahren wollen. Die die das tun sind hinterher immer krebsrot von der Sonne – brauch ich nicht!

    Adamas ist eigentlich eine recht junge Hafenstadt, der Hauptort liegt wie auf fast allen Inseln, oben am Berg. Zum Hafen hin sind alle Gebäude auf Tourismus und Restaurant umgebaut. Lebensmittel gibt es erst in der 2. Reihe. Große Flächen im Hafen sind Ausflugsboote reserviert. Da ziehen jeden Tag um 9 7 bis 10 Segelyachten los, um den Gästen die Insel von außen zu zeigen. Diese Schiffe sind leicht zu erkennen: Im Cockpit stapeln sich die Schwimmwürste und die Gäste sitzen alle an Deck und verbrennen sich die Haut. Gesegelt wird in der Regel nicht! Da könnte sich je jemand fürchten, oder das Deck eben nicht für die „living payload“ verwendet werden. Da lieber am Abend etwas Diesel nachfüllen, das geht sich bei den Preisen allemal aus. Für einen 6stündigen Ausflug werden gerne um die 130 € genommen. Bei 10-15 Gästen geht da schon was – und das täglich!
    Vielleicht werde ich doch nicht Strandliegenverleiher, sondern Ausflugssegelschiffkapitän. Da bleibt im Sommer auch was hängen.

    Adamas selbst schaut für uns fast wir frisch gebaut aus. Im Gegensatz zu anderen Inseln haben die Häuser hier Flachdächer. Das dient zum Auffangen von Regenwasser. Wasser gibt es nämlich auf den Kykladeninseln immer zu wenig. Wobei, neuerdings gibt es eine Meerwasserentsalzungsanlage. Das kostet wirklich viel Strom, aber solange genügend Touristen kommen und Geld für den Strom mitbringen, geht sich das aus. So merkt man dann nichts vom Wassermangel und der Strom kommt eh aus der Steckdose. Dass die vom Diesel-Kraftwerk gespeist wird, will man lieber nicht wissen. Für die Touristen ist das alles verborgen. Die finden eine vielfältige Kykladeninsel, Sonne, Trinkwasser ohne Ende, freundliche Griechen – alles bestens!

    Wir sind heute auch als Touristen unterwegs, schlendern durch den Hafen, plaudern mit Nachbarn aus dem Ankerfeld, die nun im Hafen liegen. Immer wieder, so auch hier, hören wie den Satz: „Ihr lebt unseren Traum“. Unsere Antwort dazu, „einfach trauen und machen!“.

    Die Gassen sind verwinkelt, immer wieder Treppen, die Böden sind mit den typischen Strichzeichnungen bemalt, die Häuser blitzweiß getüncht. Nur die dunkelblauen Kuppeln der Kirchen fehlen hier in Milos. Die sind eher von Santorin bekannt. Also, mir fehlt dunkelblau sie nicht, für das „Griechenland Feeling“, hellblau genügt.

    Der höchste Punkt von Adamas ist der Hügel der Kirche. Schöner Ausblick und ein Rastplatz im Schatten. Susi spielt mir am Handy ein Lied von STS vor. „Regen fällt auf Milos“ Ein melancholischer Song, der eigentlich eine Szene beschreibt, wie sie hier eher in das Frühjahr passt. Er hat aber in Susi die Sehnsucht ausgelöst, dieses Milos einmal zu sehen. Deshalb sind wir hier. Und dann sagt man, Musik verändert nichts ….

    Was sich auch noch zeigt, ist eine erste Idee von der geologischen Vielfalt von Milos. Durch den vulkanischen Ursprung aus eigentlich recht junger Zeit, ist die Entstehung an den verschiedenen Schichten und Farben gut abzulesen. Vor ca. 900.000 Jahren ging das mit dem Vulkan hier los, die Explosion von Santorin war zu biblischen Zeiten, also vor ca. 5000 Jahren und rund 3x stärker als die Explosion von Krakatau. Das muss ganz schön Krach gemacht haben!!

    Am späteren Nachmittag ziehen wir uns wieder auf unser Schiff zurück. Schwimmen noch ein paarmal rund herum und lassen den Tag ausklingen.

    Morgen hab ich was spezielles vor.

    Ich bin schon voller Vorfreude

  • 80 Meilen


    Um 3:15 wache ich auf, ok 15 Minuten vor dem Wecker. Passt so, denn ein langer Tag steht uns bevor. Wir wollen nach Milos, 80 Meilen bei nicht sehr kräftigem Wind und natürlich über das „offene“ Meer. Routiniert machen wir Philia startklar: Navigationslichter einschalten, damit wir gesehen werde, Radar und AIS damit wir auch was sehen. Das ist wichtig, denn die ersten 25 Meilen führen entlang einer vielbefahrenen Schifffahrtsstraße. Alles, was von Athen, Istanbul oder dem Schwarzen Meer nach Westen will, fährt da durch. Die Anzeigen im Cockpit werden auf Rotlicht umgestellt – das blendet nicht in der Nacht. Über das Hecklicht, dass ohnehin vom Dinghi verdeckt wird kommt eine rote Badehose, denn selbst die Reflexion des weißen Lichts würde blenden. Eine Taschenlampe übernimmt die Funktion des Hecklichts. Nicht exakt nach guter Seemannschaft, aber besser als gar kein Licht ist das allemal.

    Wir ziehen uns noch wirklich warm an, es ist Nacht und wir erzeugen zumindest Fahrwind, der uns weiter abkühlen wird. Die Müdigkeit wird auch zur gefühlten Kälte beitragen. Dann geht’s los – 03:50. Anker auf und Abfahrt in  die mondlose Nacht. Zunächst auf eines der wenigen Leuchtfeuer zu, doch das führt uns geradewegs in die Route der Großschifffahrt. Da kommt so alle 20 min ein richtig dicker Frachter an uns vorbei. Auch der zeigt nur 3 Lichter, zwei Mal weiß, ein Mal grün. Das sind die, die entgegenkommen. Gut so!

    Nach 1 Meile ändern wir den Kurs. Von den Klippen halten wir uns damit frei, von der Großschifffahrt auch. Dennoch sind wir als „Geisterfahrer“ unterwegs. Wir sollten auf der anderen Seite der Meerenge fahren, aber das ist uns einfach zu weit. Da am Rand geht es auch recht gut, und wir sehen die Großen ja immer am Radar und AIS – und hoffentlich sie uns auch.

    Die ersten Stunden sind einfache Nachtfahrt: 1 ½ Stunden bis zu einem Leuchtfeuer auf der linken Seite und dann nach leichter Kursänderung zum Kap Maleas.

    Bis wir dort sind, geht schon fast die Sonne auf. Dieses Kap hat einen schlechten Ruf: Da treffen sich zwei Windsysteme. Der mitunter recht kräftige Meltemi aus NE und die W Winde vom Peloponnes. Zusätzlich dürfte dort viel Tiefenwasser nach oben gedrückt werden. Alles zusammen gibt unangenehme Wellen und Fallböen. Fallböen erleben wir keine, da ist der Wind zu schwach, aber für unangenehme Wellen reichts allemal.

    In einigem Abstand vom Kap Maleas trauen wir uns dann die Segel zu setzen. Und nun beginnt das Spiel: Laut Wettervorhersage wir der Wind von NNW über N nach NNE und dann NE drehen. NE ist für uns unfahrbar, denn da wollen wir hin. Wir müssen also in Milos sein, bevor der Wind so weit gedreht hat. Und damit wir ihn möglichst lang nutzen können, müssen wir nördlich unserer Kurslinie fahren. Dann haben wir ein wenig Spielraum, wenn er dreht. Fahren wir jetzt in der Früh aber zu weit nach Norden, dann weichen wir 40 oder mehr Grad vom Kurs ab und machen damit nur mehr wenig Strecke nach Milos. Dann wären wir wieder zu spät, wenn der Wind vollends auf Nordost dreht.

    Wie man das also optimal anlegt, weiß man aber immer erst am Tag danach. Also muss das mit viel Gefühl geschehen. Ständig den Wind beobachten, schauen wohin der Autopilot steuert, Segelstellung optimieren. Schnell und hoch am Wind, ist das was wir versuchen. Hoch am Wind geht, schnell – naja – 3,7 kt, 4,2 kt … Susi will gerne den Motor zu Hilfe nehmen, ich will noch mit den Segeln und dem Wind spielen. Der nimmt wenigstens zu, die Fahrt auch, dafür dreht er nach vorne, was den Kurs näher an die Kurslinie heranrückt. Das geht übeber Stunden so

    Irgendwann sind wir dann fast parallel, aber immerhin 3 Meilen nördlich. Das Spiel kann beginnen. Das bedeutet dann aber auch manuelle Steuerung = selber machen, konzentriert arbeite. Der Autopilot wäre nicht so präzise um jede Winddrehung und Böe auszunutzen. Nicht nur einmal kurz bis zum nächsten Eck, nein das Eck ist die Einfahrt in die Bucht von Milos und die ist noch 50 Meilen entfernt. 10 Stunden volle Konzentration und Kampf um jeden Grad nördlicheren Kurs. 10 Stunden, nahezu ohne Pause – sehr sehr anstrengend.

    Ein Schiff, dass am selben Weg war wie wir, beherrscht das Spiel nicht so gut. Aus einer Position höher am Wind und schneller (geschummelt – mit Motor), verlieren sie nun kontinuierlich an Höhe und fallen zurück. Wenigstens das motiviert. Nach ein paar Stunden kann man nur mehr ihre Mastspitze am Horizont und deutlich südlich der Kurslinie erkennen. Wo die wohl hinkommen werden?

    Wir kämpfen weiter, vorerst mit Erfolg. Nur langsam nähert sich der von uns fahrbare Kurs dem direkten Kurs zum Zielpunkt an. Der Wind frischt auf, wir müssen beide Segel etwas einreffen. Das ist nie ein gutes Zeichen, denn dann läuft Philia nicht mehr so hoch am Wind. Trotzdem bemühen wir uns, heraus zu quetschen, was nur irgendwie möglich ist.

    Plötzlich erkennen wir aus den Augenwinkeln mehrere Schatten auf die Philia zuflitzen. Keine 6 m neben uns, springen 2 junge Delphine aus dem Wasser – so direkt auf Kollisionskurs. Knapp neben der Bordwand tauchen sie ab. Auf der anderen Seite sind sie kurz parallel zu uns, springen elegant aus dem Wasser. Einer dreht noch eine Ehrenrunde. Dann sind sie wieder weg. Toll.

    8 Meilen vor Anti Milos müssen wir doch den Diesel zünden. Wir brauchen Höhe zum Wind, um dann wieder Segeln zu können. Nach ½ Stunde geht es wieder und wir können die Einfahrt zu Milos anlegen. Milos, das ist eigentlich der Überrest eines sehr großen Vulkans, so ähnlich wie Santorin (Tira) nur ist hier die Kaldera (der Krater) besser erhalten. Durch eine sehr breite Einfahrt kann man in dieses Becken einfahren, dass unglaubliche 2 nm im Durchmesser misst.

    Und selbst die Einfahrt ist schon spektakulär. Mächtige rote Felssäulen auf der einen Seite, ein fast reinweißer Kegel schmückt die andere. Darüber, am Kamm des Hügels liegt die Chora, die Hauptstadt. Fast 5 Meilen sind von den roten Säulen bis in den Hafen zu fahren, noch eine gute Stunde! Genug Zeit, um die unterschiedlichen Felsformen und Farben, weiß, rostrot, grünlich und Schichtungen zu bewundern.

    Auf der linken Seite fällt uns ein Dorf auf, bei dem die Häuser extrem nahe am Wasser stehen. Jedes Häuschen hat in einer anderen Farbe bemalte Türen. Hübsch, erinnert irgendwie an das Bild von Murano bei Venedig.

    Der eigentliche Hafen ist nicht unser Ziel, wir wollen davor ankern. Da gibt es ein großes Ankerfeld, das auch uns noch großzügig Platz bietet. Um 20:15 bohrt sich der Anker in den Grund. 80,8 Meilen (150 km in etwas mehr als 16 Stunden.

    Fertig, aus.

    Ein schnelles Abendessen geht sich noch aus, dann fallen wir in die Kojen